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„Wie wollen wir leben?“

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Studientag der Diözese Eichstätt und der  KLB Bayern u.a. mit Dr. Jörg Alt und Barbara Schmidt (Misereor Bayern)

Mit einem sehr eindrücklichen Bild beschrieb am Samstag Bischof Gregor Maria Hanke die Folgen des derzeitigen Lebensstils für das globale Überleben: „Die Fußabdrücke, die wir auf der Erde hinterlassen, führen in den Himmel.“  Sein Impuls endete im Appell zum Handeln, passend zum Titel des digitalen Studientags „Wie wollen wir leben? Jetzt den ökosozialen Wandel gestalten!“.

„Wir haben eine Krise der Leitwerte unserer Gesellschaft“, ergänzte der Hauptreferent und Nürnberger Sozialethiker Dr. Jörg Alt SJ, der mit weiteren Referent*innen wie Barbara Schmidt (Misereor Bayern) und Prof. Dr. Manfred Miosga (Präsident Bayerische Akademie Ländlicher Raum) das Thema vertiefen und die Beteiligten zum Handeln motivieren konnte.

Mit dem Studientag wollten die Veranstalter – das Referat Schöpfung und Klimaschutz der Diözese Eichstätt und das Landesbildungswerk der KLB in Bayern in Kooperation mit dem Diözesanbildungswerk Eichstätt – einen Überblick über verschiedene Ansätze einer sozialen und ökologischen Transformation geben und die rund 60 Fachleute und Interessierte aus KLB, Kirche und Gesellschaft miteinander vernetzen.

Herausforderungen und Lösungsansätze für ökosozialen Wandel

Bischof Gregor Maria Hanke begann seinen geistlichen Impuls für den Tag mit einem Bezug auf den Bericht des Club of Rome 1972 „Die Grenzen des Wachstums“, der in Kürze den 50. Jahrestag feiert und der die Erkenntnis über den ökologischen Kollaps öffentlich machte. Es brauche eine „mentale Revolution“, wie Dr. Aurelio Peccei als Mitgründer des Club of Rome formulierte. Diese sei aber erst zu erwarten, wenn man am Abgrund stehe. Nur die Angst vor dem Abgrund könne das Umdenken erwirken.

Hanke: „Die Erde ist ein kranker Patient. Wir können nicht mehr lange diskutieren. In einigen Ländern findet der Gedanke schon Eingang in die Politik. Allerdings oft mit dem Gedanken, mit neuen Techniken am Wachstum festhalten zu können. Braucht es nicht auch einen Paradigmenwechsel, eine Bereitschaft zum Verzicht? Dazu braucht es die Erkenntnis, dass es für ein gutes, glückliches Leben mehr und anderes braucht als materielle Dinge.“

Die Schöpfung sei Gottes Gabe und als Vorzeichen der kommenden Herrlichkeit Gottes zu sehen. Wir müssten uns kritisch fragen, warum wir Christen nicht früher maßvoller und mit mehr ideellen Werten gelebt haben, nicht aus Angst vor dem Super-GAU, sondern aus Freude über die Schöpfung, die Vorfreude auf die kommende Herrlichkeit ist.

Hanke endete mit dem Verweis auf den spannenden Prozess der Umstellung im Kloster Plankstetten mit vielen Ängsten vor einer neuen Form der Bewirtschaftung. Entscheiden sei ein Haltungswechsel gewesen, die Erkenntnis, dass das, was in den Gebetstexten ausgesprochen wird, im Alltag konkret werden müsse.

In seinem Hauptvortrag ging der Sozialethiker und Jesuitenpater Dr. Jörg Alt von der Jesuitenmission Nürnberg, der zuletzt mit seiner „Container-Aktion“ sehr positives Medienecho bekam, aus sozialethischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive auf die Herausforderungen und Probleme der globalisierten Gesellschaft ein und stellte Lösungsansätze für den ökosozialen Wandel vor.

Die Fixierung auf globales Wachstum ist für Jörg Alt ein wichtiger Teil der Problemanalyse: „Solange wir weiterwachsen, kommen wir aus dem Problem nicht raus.“ Als Folge der Erkenntnis müssten wir unser Denken „dekarbonisieren“: „Wir müssen uns frei machen von der Vorstellung, dass das, was wir haben, alternativlos ist. Wir müssen unser Denken revolutionieren.“

Wir haben laut Jörg Alt „eine Krise der Leitwerte unserer Gesellschaft“.

Die aktuellen Leitwerte ließen uns gegen die Wand fahren. „Wenn es uns nicht gelingt, diese zu ändern, können wir technisch machen, was wir wollen: Wir werden gegen die Wand fahren. Wir brauchen dagegen zwei Entkopplungen: Wachstum vom Verbrauch natürlicher Ressourcen und Energie entkoppeln sowie die Lebensqualität von Materialismus und Konsum entkoppeln“

Auf die Frage aus dem Publikum: „Was kann man tun?“ hatte Jörg Alt eine aus persönlicher Erfahrung geprägte Antwort: “Beteiligen Sie sich am kreativen Protest!“ Es müsse nicht jeder gleich eine Straftat begehen und containern. Aber die Aktion zum Essenretten habe dazu geführt, dass in Berlin intensiv an einem Gesetz zum Lebensretten gearbeitet wird.“

Ebenso motivierte Bischof Hanke in einem anschließenden  Podiumsgespräch nochmals zum Umdenken und positiven Handeln als Einzelne und als gesamte Kirche: „Wenn ich selbst Schritte tue, dann kann ich die Schönheit dieses Tuns auch erleben. Wir müssen uns von einer depressiven Stimmung lösen. Das geht nur, indem ich handele und erfahre, dass mich das aufbaut.“

Er endete mit dem oben genannten Zitat und Bezug auf den Theologen Jürgen Moltmann: „Der Himmel ist wichtig, um hier auf der Erde mit dem Handeln anzufangen. Denn die Fußabdrücke, die wir auf der Erde hinterlassen, führen in den Himmel.“ 

Weitere Beiträge zur ökosozialen Transformation in Workshops

Nach einem Podiumsgespräch konnten am Nachmittag in Workshops neben Dr. Alt weitere Fachleute ihre Ansätze vorstellen: Barbara Schmidt, Leiterin von Misereor in Bayern, sprach über „Transformation im globalen Kontext“. Das bedeute aus Sicht von Misereor auch „Brücken zwischen Menschen bauen“, globale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Ausbildung zu schaffen und ganz konkret etwa die Umverteilung von diözesanen Rücklagen zugunsten globaler Partner.

Unter dem Motto „Ökosoziale Transformation – Anpacken auf allen Ebenen“ stellte Prof. Dr. Manfred Miosga (Präsident Bayerische Akademie Ländlicher Raum, Universität Bayreuth) das „Forum 1.5“ zum 1,5-Grad-Ziel sowie das Projekt „Bis 30 auf 30“ und die Initiative „Zukunftsfestes Bayern“ vor. Es brauche für ihn viele solcher Begegnungsplattformen und hauptamtliche Unterstützung dafür.

Dr. Stefan Einsiedel von der Hochschule für Philosophie München stellte eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz vor zur Frage „Wie sozial-ökologische Transformation gelingen kann“ vor, Franz Galler als einer der Entwickler das Spiel-Konzept „Klimafreundlich leben“, das er mit dem Katholischen Bildungswerk Traunstein konzipierte.

Den Abschlussimpuls gab Agnes Meyer, Referentin für Landpastoral im Bistum Eichstätt, und fand das passende Fazit zur intensiven Bildungsveranstaltung: „Packen wir es an! Übernehmen wir Verantwortung, gutes für den Menschen und für die Schöpfung zu tun!“.

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