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Orgeljahr 2021: Die Domorgel in Eichstätt

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Eichstätt. (pde) – In der Reihe „Orgeljahr 2021“ stellt Domorganist Martin Bernreuther das Instrument vor, das er persönlich am häufigsten in Liturgie und Konzerten zum Erklingen bringt: die Eichstätter Domorgel. Mit rund 5.000 Pfeifen und 68 Registern ist es die zweitgrößte Orgel des Bistums Eichstätt nach der Orgel im Ingolstädter Liebfrauenmünster.

Die ersten Zeugnisse einer Orgel im Eichstätter Dom finden sich in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Im Jahr 1348, also rund 40 Jahre nach dem vermutlichen Bauabschluss des Domes, bestellten Bischof und Domkapitel einen Domvikar zum Spielen der Orgel. Zur Jubiläumsfeier des Bistums Mitte des 18. Jahrhunderts wurde vermutlich erstmals eine Orgel im Willibaldschor gebaut. Es folgten weitere Versuche, die Bischofskirche mit einer passenden Orgel auszustatten. Einige Instrumente waren nur kurze Zeit im Einsatz, sie scheiterten an den schwierigen Raum- und Akustik-Verhältnisse in der Kathedrale. 1941 begann die Planung einer großen Orgellösung nach dem Vorbild des Passauer Doms: Drei Orgeln sollten von einem fünfmanualigen Generalspieltisch spielbar sein und den mächtigen Raum akustisch ganz erfassen. Infolge des Krieges konnte der Plan der Eichstätter Firma Bittner nur teilweise verwirklicht werden. Die Orgel im Willibaldschor wurde erweitert und eine neue Orgel über dem Hauptportal gebaut. Die Erweiterung der Hauptorgel sowie die Erstellung des Generalspieltisches mussten unterbleiben. Mittels Verkabelung über den Dachboden wurden die insgesamt 92 Register der drei Orgeln auf den vorhandenen zweimanualigen Spieltisch der Hauptorgel geschaltet. Auch diese Orgelanlage klang wegen akustischen Überlagerungen und Tonüberscheidungen nicht gut. Zudem wurde sie stark vom Holzwurm angegriffen, wie sich später herausstellte.

Im Zuge der grundlegenden Domerneuerung in den Jahren 1971 bis 1975 kam es am ehemaligen Standort der Taufkapelle in der Mitte des südlichen Seitenschiffes zum Neubau der Eichstätter Domorgel durch die Firma Sandtner aus Dillingen an der Donau. Die Prospektgestaltung mit den Schleierbrettern – das Gesicht der Orgel – folgt den Ideen der berühmten Kölner Bildhauer Elmar Hillebrand und Theo Heiermann. „Die klangliche Konzeption und den Entwurf der Gesamtanlage der Orgel entwickelte der damalige Domkapellmeister Wolfram Menschick“, erklärt Bernreuther. In traditioneller Weise ist die neue Kathedralorgel im Schleifladensystem mit vollmechanischer Spiel- und Registertraktur (später Doppeltraktur) erbaut. Die 68 klingenden Register (Reihe von 36 Pfeifen gleicher Klangfarbe und verschiedener Tonhöhe) verteilen sich auf vier Manuale mit Pedal und folgen in der Anordnung der Windladen dem klassischen Werkprinzip. „Mit der klanglichen Vielfalt ist die authentische Wiedergabe eines umfangreichen Repertoires an Orgelliteratur aus verschiedenen Stilepochen möglich“, erklärt der Domorganist.

Von den rund 5.000 Pfeifen ist die größte 9,20 Meter lang, hat einen Durchmesser von 42 cm und wiegt 300 Kilogramm, während die kleinste nur 1 cm misst. Eine Windmaschine, die in der Minute 52 Kubikmeter Druckluft erzeugt, speist die drei großen Blasbälge, welche die Orgel mit dem nötigen Wind versorgen. Die ganze Orgel ist in einem Gehäuse aus Eiche untergebracht, das derart konstruiert ist, dass es auch die Windladen mit den Pfeifen trägt. Dadurch wird eine enge Verbindung von Klang- und Resonanzkörper hergestellt, was zu optimalen Klangergebnissen führt. „Seit der Erbauung erfüllt die Eichstätter Domorgel fortwährend ihre Aufgabe in Liturgie und Konzert“, sagt Bernreuther. „Sie ist musikalischer Anziehungspunkt für das ganze Bistum und gilt als Zeitzeugnis des klassischen Orgelbaus im späten zwanzigsten Jahrhundert.“

2005 wurde die Domorgel einer grundlegenden Revision unterzogen. Die zunehmende Belastung der Luft machte im Jahr 2017 erneut eine Reinigung und Überarbeitung notwendig. Derzeit schweigt sie wegen der laufenden Generalsanierung der Eichstätter Kathedrale. Eine Klangprobe ist dennoch unter kirchenmusik.bistum-eichstaett.de hörbar. Dort stellt Martin Bernreuther auch weitere besondere Orgeln der Diözese Eichstätt vor.

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