Neue Talente für den Handel gesucht

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Der IHK-Handelsausschuss diskutierte, wie Fachkräfte fürs eigene Unternehmen begeistert werden können

REGENSTAUF. Der Mitarbeiter ist König: So könnte die neue Maxime im Handel lauten. Denn in Zeiten, in denen es mehr offene Stellen als passende Fachkräfte gibt, hat die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielen Betrieben höchste Priorität. Bei der Herbstsitzung des Handelsausschusses der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim tauschten sich die Unternehmerinnen und Unternehmer darüber aus, wie man Fachkräfte fürs eigene Unternehmen begeistern und sie langfristig im Betrieb halten kann.

Fachkräftemangel bremst den Handel

Die Händler in der Oberpfalz und dem Landkreis Kelheim sehen sich mit zunehmenden Herausforderungen konfrontiert. Sie spüren die Folgen von Lockdowns, unterbrochenen Lieferketten, des Ukraine-Kriegs, der Energiekrise und der damit einhergehenden Inflation. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich. „Selten war gutes Personal so wichtig für unsere Branche“, betonte der Vorsitzende des Ausschusses Wolfgang Holzapfel. „Nach den schwierigen letzten Monaten wäre es wichtig, alle Kundinnen und Kunden, die noch in Kauflaune sind, möglichst zufriedenzustellen“, resümierte Holzapfel. „Doch dazu braucht es gut ausgebildetes Personal.“ Und das sei im Moment schwer zu bekommen.

Folglich rücken zahlreiche Händler immer mehr die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter in den Fokus. „Wir möchten unsere Mitarbeiter motivieren und ihnen einen modernen Arbeitsplatz bieten, an dem sie gerne arbeiten“, sagte Michael Matt, IHK-Präsident und Inhaber von Optik Matt. Seine Erfahrung: „Mit zufriedenen Mitarbeitern stellt sich der Erfolg fast von allein ein.“

Mitarbeiter mit Weiterbildungen motivieren

Um im Wettbewerb um die besten Talente mithalten zu können, unternimmt man bei Optik Matt einiges. Teamevents werden bezuschusst, um den Zusammenhalt zu fördern. Bei Workshops können Mitarbeiter ihre Ideen für die Zukunft des Unternehmens einbringen. Und es gibt einige Benefits für die Angestellten. „Wir bieten zum Beispiel Schulungen und Weiterbildungsangebote an“, sagte Matt. „Sie erhöhen nicht nur die Motivation der Mitarbeiter, die Neues lernen können, sondern haben auch den Nebeneffekt, dass unsere Kunden in unseren Filialen auf gut informierte Fachkräfte treffen.“

Ähnliche Erfahrungen macht Werner Bodensteiner von der Witt-Gruppe in Weiden. Das Textilhandelsunternehmen hat ein Portal entwickelt, in dem sich die Angestellten beispielsweise mit Videoschulungen während der Arbeitszeit weiterqualifizieren können. „Damit werden unsere Mitarbeiter gleichzeitig motiviert und fit für den Job gemacht – das merkt man auch am entsprechenden Auftreten auf der Verkaufsfläche“, sagte Bodensteiner.

Möglichkeiten zur Mitgestaltung bieten

Viele Beschäftigte, gerade die der jüngeren Generationen, möchten sich allerdings nicht nur weiterbilden, sondern sich aktiv ins Unternehmen einbringen können. Das beobachtet Dr. Jasmin Balzereit von der PerIngenio GmbH. „Mitarbeiter wollen sich in ihrer Individualität wahrgenommen fühlen.“ Ob ein Arbeitgeber als attraktiv angesehen werde, habe viel mit Emotionen zu tun. „Mitarbeiter sind zum Beispiel stolz darauf, wenn sie die Möglichkeit bekommen, das Unternehmen mitzuentwickeln.“ Es brauche deshalb bei den Unternehmen den Mut, einzigartig und authentisch zu sein. Und es brauche Führungskräfte, die nicht als Manager auftreten, sondern als Gegenüber auf Augenhöhe. „Sie sollten ihre Mitarbeiter dazu befähigen, eigenverantwortlich zu arbeiten. So werden diese motiviert, weil sie sich entfalten können.“

Zufriedenheit und Respekt im Beruf

Besonders für Menschen, die gerade erst in den Arbeitsmarkt einsteigen, zählen heute Faktoren wie Stabilität und eine gute Atmosphäre mehr als das Gehalt und die Aufstiegschancen. Viel genannt sind ist diesem Zusammenhang die Begriffe „Gen Z“ und „Gen Alpha“. Zur sogenannten „Gen Z“ gehören die Menschen, die in den Jahren 1995 bis 2010 geboren wurden. Alle danach bis heute Geborenen zählen zur „Gen Alpha“. „Diesen Generationen sind Zufriedenheit und Respekt im Beruf wichtiger als ein hohes Gehalt. Aber auch die Freizeit darf nicht zu kurz kommen“, erläuterte Personalentwicklungs-Expertin Sieglinde Lang. Der Handel müsse sich auf diesen neuen Typus von Bewerbern einstellen, um die Talente für sich gewinnen zu können. Gute Chancen hätten vor allem KMUs und Familienbetriebe. Besonders wichtig sei es, die Eltern der Gen Z mit ins Boot zu holen. „Sie sind Ansprechpartner Nummer eins für diese Generation, wenn es um die Berufswahl geht“, sagte Lang.

Neue Formen der Bewerbung

Nicht nur die Wünsche der Mitarbeiter ändern sich, sondern auch die Bewerbungsprozesse. Eine neue Form der Bewerbung bietet beispielsweise die Frey Handelsgruppe für ihre Einrichtungs- und Modeerlebnishäuser an. Das Chamer Unternehmen möchte den Bedürfnissen der potenziellen neuen Mitarbeiter mit einem schnellen und simplen Bewerbungsablauf entgegenkommen. Geschäftsführer Helmut Hagner zeigte den Mitgliedern des Handelsausschusses, wie man sich bei Frey über Social Media innerhalb weniger Minuten bewerben kann: mit Hilfe eines Fragebogens, der die klassischen Bewerbungsunterlagen ersetzt.

Einen aufwendigeren Bewerbungsprozess nutzt dagegen Elisabeth Meierhofer von der Stern Apotheke. Mit ihren 35 Mitarbeitern arbeitet sie in Regenstauf auf vergleichsweise kleiner Fläche. Damit sich im Team jeder wohlfühlt, setzt sie im Bewerbungsprozess auf ein Assessment-Center, um Mitarbeiter zu finden, die genau zum Unternehmen passen und lange bleiben wollen. Außerdem geht sie für den stationären Handel ungewöhnliche Wege und ermöglicht es ihren Mitarbeitern beispielsweise, Beratungsgespräche mit Kunden aus dem Homeoffice durchzuführen.

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