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„Kirche muss einladender werden“: Willibaldsfest mitten im Altstadtfest

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(pde) – Mit einem Gottesdienst auf dem Eichstätter Domplatz hat das Bistum Eichstätt am Sonntag, 3. Juli, seinen Schutzpatron, den heiligen Willibald, gefeiert. Generalvikar Pater Michael Huber plädierte in seiner Predigt für eine umfassende Renovierung der Kirche. Zum ersten Mal fand das Willibaldsfest in Verbindung mit dem Altstadtfest statt. Am Vortrag sangen Kinderchöre für den Frieden.

Als Startzeichen für die Willibaldswoche läuteten bereits am Freitag, 1. Juli, um 17 Uhr bistumsweit die Glocken. „Glockenläuten ist ein starkes Bekenntnis, ein tönendes Gebet, das sagt: Wir sind da“, wie Diakon Thomas Schrollinger, Cheforganisator der Festwoche, bei der Eröffnungsvesper in der Eichstätter Schutzengelkirche betonte. Obwohl der Eichstätter Domes aufgrund von Sanierungsarbeit geschlossen ist, fanden Hunderte von Gläubigen am Sonntag den Weg zum Festgottesdienst neben der eingerüsteten Kathedrale. „Das Baugerüst steht für den Umbruch in der Kirche“, sagte Schrollinger zu Beginn der Feier. Neben den Eichstättern begrüßte er Pilgergruppen aus zehn weiteren Pfarreien des Bistums: aus Jahrsdorf, Meckenhausen, Pollenfeld, Wachenzell, Preith, Buchenhüll, Bergen, Buxheim, Eitensheim und Dollnstein. Den längsten Weg hatten die Wallfahrer aus Jahrsdorf und Meckenhausen, die zum Teil knapp 40 Kilometer zu Fuß nach Eichstätt zurücklegten und bereits in der Nacht losgelaufen waren.

Auch Generalvikar Pater Michael Huber, der den an Corona erkrankten Bischof Gregor Maria Hanke vertrat, griff die Dombaustelle in seiner Predigt als Metapher auf. Er verwies auf das gotische Hauptportal, das noch einer umfassenden Renovierung bedarf. Die Figuren in den Bögen hätten etwas die Farbe verloren. Das Gerüst und die zahlreichen Innenarbeiten verwehrten noch den Eingang durch das Portal. Vielleicht entdecke der eine oder die andere sogar ein Schild „Betreten verboten“. Der Kirchenbau brauche nicht nur einen Außenanstrich, nicht nur eine eilige Schönheitsreparatur, sondern eine vielleicht bis ins Jahr 2024 hineinreichende umfassende Renovierung. Das könne symbolisch stehen für so manchen Eindruck von Kirche insgesamt. „Ich möchte dieses Gerüst so deuten: Es braucht derzeit große Anstrengungen in unserer Diözese und der Kirche insgesamt, dir wir bereits begonnen haben, und ganz sicher nicht nachlassen dürfen.“ So manche Müdigkeit und um sich greifender Pessimismus, vor allem so manche furchtbare Schuld aus der Vergangenheit versperrten vielen Christen den Zugang. „Deshalb müssen und wollen wir mit allen Kräften aufarbeiten und wir wollen gemeinsam aufbrechen. Die Tür muss wieder einladend sein, denn es sind so großartige Schätze dahinter, die es lohnen dafür aufzubrechen, um auch wieder junge Menschen mitzunehmen“.

In seiner Ansprache führte der Generalvikar noch zu zwei weiteren „Türen“ hin. Eine führt in seiner Predigt zu seiner jüngsten Reise nach Kenia zur Vorbereitung des Missionsmonats. Beim Besuch von Projekten, die von missio München und der Diözese Eichstätt unterstützt werden, habe er eine Schule in einem der größten Slums von Nairobi besichtigt. Hinter einer verrosteten Eisentür seien acht Klassenzimmer in einem aus Holz gezimmerten und mit Blech bedeckten Gebäude untergebracht. „Hinter dieser Eisentür erlebte ich einen Ort der Hoffnung und Zuversicht – trotz all der gewaltigen Armut, den Sorgen und Nöten dieser jungen Menschen – und zudem eine Freude und herzliches Lachen. Dort fand ich Menschen, die aus dem Glauben heraus für ihr Leben Hoffnung, Lebenshilfe und Freude geschenkt bekamen“. Die dritte Tür bezeichnete Huber als „Missionstür“. Mit „Missionstüren, die für die Menschen aufgemacht wurden“ verglich Huber die Arbeit des englischen Mönchs Willibald, als er vor knapp 1.300 Jahren mit seinem Vater und Geschwistern sowie einigen Mitstreitern nach Eichstätt kam. Bevor Willibald der erste Bischof von Eichstätt wurde, hatte er sich als Pilger nach Rom und ins Heilige Land aufgemacht. Willibald hatte nach den Worten Hubers drei Berufungen – zum Pilger, Mönch und Missionsbischof. Bei allem sei er aber Seelsorger gewesen. Er habe eine Botschaft der Hoffnung und des Lebens in die Region gebracht. „Mit Willibald wurde uns ein großartiger Pförtner für die Botschaft Gottes in unserer Diözese Eichstätt geschenkt“, so Huber. „Seine Einladung war attraktiv und wurde angenommen“. So müsse die Kirche heute auch wieder einladender werden, „eine Kirche, die uns zuruft: Eintritt erwünscht, die Schilder ‚Eintritt verboten‘ müssen weg“.

Kirche stellt sich vor

Ein Möglichkeit, Dienste und Angebote der Kirche im Bistum Eichstätt näher kennenzulernen, gab es am Sonntagnachmittag im Innenhof des Amtes für Kirchenmusik, direkt neben dem Domplatz. Dort präsentierten sich über 20 kirchliche Verbände und Einrichtungen mit einer Informationsbörse. Vertreten waren verschiedene Abteilungen des Bischöflichen Ordinariates, das Priesterseminar, die Diözesanverbände des Frauenbundes, des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der DJK sowie die Katholische Studentenverbindung Alcimonia, die Schönstatt-Familie der Diözese Eichstätt, der Sozialdienst Katholischer Frauen, die Christliche Arbeiterhilfe und das Hilfswerk missio München. Mit ihren Materialien, Mitmachaktionen und in persönlichen Gesprächen machten sie deutlich, dass die Kirche für die Menschen da ist und viel Gutes tut.  

Auch auf anderen Bühnen fügten sich die Programme des Willibaldfestes und des Altstadtfestes nahtlos ineinander. So gab es auf dem Pater-Philipp-Jennigen-Platz, wo die Dompfarrei traditionell mit ihren Café Kathedralis beim Altstadtfest präsent ist, eine kunterbunte Liederreise für Jung und Alt. Der Nürnberger Pfarrer und Liedermacher Johannes Matthias Roth stimmte mit seiner Band Mut machende Lieder von Lebensfreude, von Zweifel und Staunen, von Vertrauen und Hoffnung zum Mitsingen an. Das Lied „Hand in Hand – segensreich“ schrieb Roth eigens für die Willibaldswoche 2022. Am Abend stand noch ein Kirchenkabarett mit Renate Kühn in der Abtei und Wallfahrtkirche St. Walburg auf dem Programm. „Willkommen auf der Couch“ lautet das Motto der Show, bei der die evangelische Pfarrerin „einen kleinen Bischof, ein schluchzendes Akkordeon sowie streitende Protestanten und Katholiken“ berät.

Kinderchöre singen für Frieden  

Eine Botschaft für den Frieden ging vom Diözesanen Kinderchortag aus, zu dem rund 160 Kinder und ihre Begleitpersonen am Samstag, 2. Juli, zu Beginn der Willibaldswoche nach Eichstätt pilgerten. Nach der Ankunft am Volksfestplatz zogen sie entlang der Altmühl zur Singprobe in die Aula der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Auf dem Nachmittagsprogramm standen ein Trommelworkshop und das Kinderorgelkonzert „Auszug aus Ägypten“ in der Schutzengelkirche sowie freie Zeit zum Bummeln auf dem Altstadtfest. Einige der Chöre traten auf der Altstadtfestbühne am Pater-Philipp-Jenningen-Platz auf. Zum Abschluss versammelten sich die Kinder zu einem „gesungenen Friedensgebet“ in der Schutzengelkirche. „Friede, Friede, wo wohnst du denn in unserer Welt“, fragten die Kinder in einem vom sechs Liedern. Generalvikar Pater Michael Huber sprach bei der Andacht im Dialog mit zwei Kindern über den „kleinen Frieden in der Familie und den großen Frieden in der Welt“.

Mit dem Chortag wollte das Amt für Kirchenmusik den Kindern eine Bühne bieten, um in größerer Gruppe zu singen, wie Domkapellmeister Manfred Faig erklärte. Mit der Resonanz zeigte er sich zufrieden: „Die Kinder waren begeistert.“ Durch die Corona-Zeit hätten seien viele Kinderchöre geschrumpft oder haben sich teilweise ganz aufgelöst. „Es gibt aber auch wieder Neugründungen“, so Faig. Beim Kinderchortag ging es ihm auch um „Begegnungen, die im virtuellen Raum nicht möglich sind, sowie darum, die Freude am Singen zu stärken und den Chören neue Anregungen zu geben“.  Die Willibaldswoche dauert noch bis Sonntag, 10. Juli. Am Montag und Dienstag, 4. und 5. Juli, finden Gottesdienste für alle Ehejubilare in Eichstätter Schutzengelkirche statt. Das Programm, weitere Informationen sowie Bilder und Videos gibt es unter www.willibaldswoche.de

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