IHK: Wir können uns keine Denkverbote mehr leisten

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IHK-Vollversammlung fordert, alle Optionen zur Energieversorgung zu nutzen

CHAM. Die Folgen des Krieges in der Ukraine sorgen für nie dagewesene Unsicherheiten bei der Versorgung mit Energie, einhergehend mit hohen Preisen und einer drohenden Rationierung des Gasflusses für Betriebe. Darum haben die Unternehmerinnen und Unternehmer der Vollversammlung der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim bei ihrer Sommersitzung einstimmig eine Position über Notfallmaßnahmen zur Energieversorgungssicherung verabschiedet. Vor allem die hausgemachte Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas entpuppt sich als Achillesferse. Die regionale Wirtschaft fordert deshalb von der Politik, alle Optionen zur Gewährleistung der Energieversorgung ideologiefrei und technologieneutral zu prüfen. Dazu gehöre auch, bei Bedarf eine zeitlich begrenzte Verlängerung der Stromerzeugung mit Kernenergie sowie den weiteren Einsatz von Kohlekraftwerken oder die gesteigerte Nutzung heimischer Erdgasquellen in Betracht zu ziehen. Darüber hinaus sollte zur Abfederung einer Mangelsituation ein kurzfristiger Fuel Switch von Erdgas auf andere Energieträger unbürokratisch ermöglicht werden. „In der aktuellen Energiekrise muss mit allen Mitteln Schadensbegrenzung betrieben werden – dabei können wir uns keine Denkverbote mehr leisten“, betonte IHK-Präsident Michael Matt. Selten war die Betroffenheit der regionalen Betriebe und ihr Unverständnis über das momentane politische Zaudern mehr spürbar als in der gestrigen Sitzung zu Gast bei der Josef Rädlinger Bauunternehmen GmbH in Cham. Gleichzeitig spreche sich die Wirtschaft klar dafür aus, die langfristig festgelegten Klimaziele konsequent weiter zu verfolgen.

Unvorhersehbarer Dominoeffekt droht

Sollten die Gasströme aus Russland weiter reduziert werden, können die Erdgasspeicher in Deutschland bis zum November 2022 nicht den gesetzlich vorgegebenen Mindestfüllstand von 90 Prozent erreichen und es besteht die ernsthafte Gefahr einer Notsituation in der Energieversorgung. Dennoch ist Vorsicht geboten: Ein Versorgungskampf um Gas trete eine Abwärtsspirale los, die nicht nur zahlreiche Branchen im Kern erschüttern würde, sondern auch massive Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft hätte, zeigten sich die Unternehmerinnen und Unternehmer sicher. Vielen sei nicht bewusst, was es bedeute, Unternehmen nicht ausreichend vor einer drohenden Gasmangellage zu schützen. Es reicht oft schon ein längerer Abfall des Gasdruckes, um ganze Produktionsanlagen zu zerstören – mit teils existenzbedrohendem, wirtschaftlichem Schaden nicht nur für den Betrieb selbst, sondern auch in nachgelagerten Lieferketten.

Mit Blick auf die kalte Jahreszeit sollte Erdgas deshalb aus Sicht der IHK-Vollversammlung ausschließlich zur Wärmeversorgung verwendet werden. Derzeit ergänzen Gaskraftwerke auch den bundesweiten Strommix, wenn regenerative Energieträger aufgrund der Wetterumstände zu wenig Strom produzieren. Gleichzeitig sei die Speichertechnologie noch nicht so weit entwickelt, um regenerativen Strom in Spitzenzeiten – wenn viel Wind weht oder die Sonne anhaltend scheint – zu speichern. Hier kämen dann vorübergehende Alternativen wie Strom aus Atomkraft ins Spiel, um Gas einzusparen. Es gelte, Dominoeffekte unbedingt zu vermeiden: Fehlt Gas, können Unternehmen teils nicht mehr produzieren. Das zieht sich dann durch Liefer- und Produktionsketten – mit entsprechend negativen Folgen für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze. „Nun liegt es an allen, wo möglich Energie einzusparen, um die Herausforderungen der Stunde gemeinsam zu schultern“, bekräftigte Matt.

Netzausbau massiv vorantreiben

Dass Deutschland bei der Energieversorgungssicherheit nicht breit genug aufgestellt ist, sei nicht erst seit gestern bekannt, so der Konsens. Wie ein Brennglas wirkt jetzt der Ukraine-Krieg, der die Versäumnisse in der nationalen Energiestrategie schonungslos offenlegt. Langfristig brauche es wettbewerbsfähige Preise, die Förderung für Maßnahmen zur Energieeffizienz sowie den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien. „Zum Schutz des Klimas und um Abhängigkeiten zu reduzieren, ist es mehr denn je an der Zeit, die Energiewende massiv voranzutreiben“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes. Dafür werden auch leistungsfähige Stromnetze benötigt. Gerade der Ausbau des Ostbayernrings und des Südostlinks seien deshalb für unsere Region von entscheidender Bedeutung.

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