Düngen und trotzdem Trinkwasser schützen

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Erfolgreiches Pilotprojekt: Regierung der Oberpfalz, Landwirtschaftsvertreter und Wasserversorger präsentieren Ergebnisse

Pielenhofen. Durch genaueres Düngen das Grundwasser schonen und gleichzeitig den Ertrag der Landwirte steigern. Eine Win-Win-Situation, die Wirklichkeit werden kann. Das zeigt ein Pilotprojekt, das unter fachlicher Federführung der Regierung der Oberpfalz nach rund zwei Jahren Laufzeit aufschlussreiche Ergebnisse liefert. In der Praxis umgesetzt wurde das Projekt unter dem Titel „Teilschlagspezifische Stickstoffdüngung im Kooperationsgebiet Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura (TWS OJ)“ unter anderem auf dem Aignhof von Rupert Schmid bei Pielenhofen. Bei einem Vor-Ort-Termin mit Regierungspräsident Axel Bartelt wurden die Erkenntnisse der Studie vorgestellt. Mit dabei waren die Projektteilnehmer, darunter Vertreter der Kooperation Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura, der Beraterbüros sowie der unterstützenden Firmen.

Ziel des Projekts war es, Düngemittel noch exakter nach dem Bedarf der Pflanzen auszubringen, damit im Grundwasser weniger Nitrat ankommt. Dies ist jedoch eine besondere Herausforderung, da viele Felder kleinräumig wechselnde Böden aufweisen. Je nach Witterung ergeben sich dadurch deutliche Unterschiede beim Pflanzenwuchs und damit beim Nährstoffanspruch der Pflanzen. Spezielle Satellitenkarten und modernste Technik machen es aber möglich, dass nur genau die Menge an Düngemittel ausgebracht wird, die die Pflanzen tatsächlich benötigen.

„Ein zukunftsweisendes Projekt, das hoffentlich bald flächendeckend Schule machen kann und wird“, bekräftigte Regierungspräsident Axel Bartelt. „Unser Trinkwasser ist unser kostbarstes Gut, das es für die zukünftigen Generationen zu schützen und zu bewahren gilt. Genauso aber ist unsere Landwirtschaft die Herzkammer für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger des Freistaats Bayern. Mit diesem Pilotprojekt zeigen wir deutlich, dass mit modernen Mitteln der Trinkwasserschutz und die Landwirtschaft Hand in Hand gehen können – zum Vorteil für alle.“

Einen Einblick in die landwirtschaftliche Praxis bot Landwirt Rupert Schmid, dessen Schlepper im Rahmen des Projekts mit der modernen Düngetechnik ausgestattet wurde. Seit letztem Jahr setzt Schmid dabei zusätzlich einen sogenannten N-Sensor ein, der bei der Überfahrt den Ernährungszustand der Pflanze misst und zeitgleich die Düngemenge entsprechend dem Bedarf anpasst. Je nach landwirtschaftlicher Fläche konnte bei dem Projekt eine Differenz zwischen 19 bis 75 kg/ha Stickstoff erzielt werden. Der Vorteil lag für den Landwirt darin, dass er hochertragreiche Teilflächen angepasst und ertragsschwächere Zonen deutlich sparsamer düngen konnte. In der Folge war der Saldo aus Nährstoffzufuhr und -abfuhr ausgeglichener gegenüber einer ganzflächigen Einheitsdüngung. Das Risiko, dass überschüssiges Nitrat ins Grundwasser gelangt, wurde so reduziert.

Ein beeindruckender Erfolg, der insbesondere die Praktiker überzeugte. „Alle am Projekt beteiligten Landwirte nahmen freiwillig teil und wollen dessen Fortführung unterstützen“, erläuterte Dr. Stefan Kremb, fachlicher Federführer der Studie vom Sachgebiet Agrarstruktur und Umweltbelange in der Landwirtschaft an der Regierung der Oberpfalz, der gemeinsam mit Franz Herrler, 1. Vorsitzender der Kooperation Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura (TWS OJ) das zukunftsweisende Projekt leitete. Im Fokus der TWS OJ stand es, neue innovative technische Möglichkeiten zum Grundwasserschutz zu prüfen und nach deren Bewährung weiter zu verbreiten. Nach dem vielversprechenden Start im Jahr 2019 wurde das Projekt 2020 ausgeweitet. Begleitet wurde das Vorhaben mit zahlreichen Berechnungen, Untersuchungen und Ertragserhebungen, um die Ergebnisse qualifiziert auswerten zu können. Der Endbericht wurde nun 2021 fertiggestellt. Mit Unterstützung des Sachgebiets Wasserwirtschaft der Regierung der Oberpfalz soll das Projekt auch im Rahmen der Aktion Grundwasserschutz beworben werden.

„Fest steht: Eine Fortführung wäre wünschenswert“, betonte Regierungspräsident Bartelt. „Denn nun geht es darum, weitere Erfahrungen zu sammeln und so die Kosten- und Nutzenanalyse zu verbessern.“ Für die Landwirte bedeutet das zum einen, dass sie u.a. in neue Technik oder Software investieren müssen, um die erweiterten Möglichkeiten umsetzen zu können. Unterstützung liefern hier z.B. die Firmen FarmFacts und geo-konzept. Die Unternehmen, die IT-Lösungen für digitale Landwirtschaft sowie die zugrundeliegenden Satellitenkarten entwickeln, sind ebenfalls an weiteren konkreten Ergebnissen des Pilotprojekts interessiert und bieten den teilnehmenden Betrieben zur Weiterführung fachliche Unterstützung.

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