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Buch des Monats November: „Die Schneiderin des Nebels“

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Eichstätt. (pde) – „Eine leise Geschichte über den flüchtigen Nebel, der uns so oft umgibt und den Blick auf das Wesentliche versperrt:“ Darum geht es im Bilderbuch „Die Schneiderin des Nebels“ von Agnés de Lestrade und Valeria Docampo. Religionslehrerin Maria Hauk-Rakos stellt es in der Reihe „Buch des Monats“ der Schulabteilung der Diözese Eichstätt vor.

Rosa ist eine junge, vielbeschäftigte Schneiderin, denn sie versteht sich auf eine ganz besondere Kunst: Das Nähen mit Nebel, den sie jeden Morgen am Flussufer mit ihrem Schmetterlingsnetz fängt. Mit den versponnenen Nebelfäden webt sie, was von ihren Kundinnen und Kunden heiß ersehnt wird: Kleidungsstücke ebenso wie Vorhänge oder Teppiche. Rosa kann gar nicht genug davon nähen, denn mit ihren nebelleichten Tüchern und Stoffen decken die Menschen das zu, was sie belastet. Und so werden die nicht mehr wegzuleugnenden Falten im Gesicht ebenso unter Rosa’s Nebelgewebe versteckt, wie drückende Schulden, Streit oder schwierige Beziehungen. Nach und nach legt sich so über die ganze Stadt ein Nebelschleier.

Auch Rosa versucht, etwas unter dem Schleier des Vergessens zu verstecken: Ihre Sehnsucht nach dem Vater, der nicht mehr bei ihr ist. Doch dann trifft ein Brief von ihm ein – wie ein zarter Sonnenstrahl, der plötzlich ihr Gewebe der Traurigkeit durchdringt und mit einem Mal die schönen Erinnerungen zurückbringt. Wie das „Wandern im Nebel“, dass Hermann Hesse in seinem Gedicht beschreibt, erscheinen uns manchmal Sorgen und Nöte, die wir gern „verstecken“ würden – und die sich doch hartnäckig immer wieder ans Tageslicht und in unser Bewusstsein drängen und „gesehen“ werden wollen, und die doch jeder von uns auf die eine oder andere Weise kennt. Streit, Geldprobleme, Unzufriedenheit mit sich selbst, aber auch die Erfahrung von Trennung und Alleinsein – die „Schneiderin des Nebels“ bietet für die Probleme der Lebenswelt von Kindern ebenso wie für die der Erwachsenen facettenreiche Deutungsmöglichkeiten.

Herausragend macht dieses Bilderbuch nicht zuletzt auch die geniale Idee der Verwendung von milchig-transparenten mit Text oder Illustrationen bedeckten Seiten, die eine Vorstellung von Nebel erzeugen, durch den bereits die nächste Buchseite wie „hinter einem Schleier“ hindurchschimmert. Wie es Rosa gelingt, den Nebel ihrer Traurigkeit zu durchbrechen und die „Sonne im Herzen“ wieder zu entdecken, davon erzählt dieses – in Text und Bild – poetische wie ästhetisch beeindruckende Bilderbuch von Agnés de Lestrade und Valeria Docampo in leicht verständlicher Sprache. Ganz besonders zu empfehlen – nicht nur im „Nebelmonat“ November!

Gesprächsimpulse und kreative Ideen zum Buch sind unter www.bistum-eichstaett.de/schule abrufbar.

Agnès de Lestrade (Tex), Valeria Docampo (Illustration), Anna Taube (Übersetzung): Die Schneiderin des Nebels. Mixtvision Mediengesellschaft mbH, München, 2018. ISBN: 978-3-95854-130-6.

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