Die Sammler und ihre Passion - Herzog Franz von Bayern, Ingvild Goetz, Heinz Berggruen. Ein Film von Jacqueline Kaess-Farquet

Abb.: Blick in die Ausstellung "Wir sind, was wir sammeln". Foto: Andreas Pauly.
Abb.: Blick in die Ausstellung "Wir sind, was wir sammeln". Foto: Andreas Pauly.

Goethe schrieb vor 200 Jahren: "Die Sammler sind doch glückliche Menschen." Der Kölner

Sammler Rainer Speck ist da anderer Meinung und behauptet: "Sammeln macht krank,

bereitet schlaflose Nächte, frisst den Familienetat auf und verschuldet." Zwischen diesen

beiden Polen liegt oft die Wirklichkeit, die jeder Sammler erlebt.

 

Der Film versucht, Einblick zu bekommen in die private Welt der Sammler und dabei die

tieferen Gründe für ihre Passion zu entdecken. Sammeln, das bedeutet Suchen, Haben-

Wollen und Vereinen. Für die Sammler dreht sich alles um die Kunst, die sie in ihren Bann

zieht und ihnen Höhen und Tiefen bereitet. Erstaunlich ist die unwiderstehliche Faszination,

die die Kunst auf die Sammler ausübt.

 

Im Moment erleben wir eine Renaissance der privaten Sammeltätigkeit. Die Sammler erregen mit ihren Sammlungen Aufmerksamkeit und mit ihren Museumsbauten kontroverse Diskussionen. Als Mäzene geehrt oder als Störenfriede kritisiert, mischen sie kulturpolitisch mit.

 

Viele bedeutende Sammler scheuen die Öffentlichkeit. Herzog Franz von Bayern lässt für diesen Film seine Sammlung moderner Kunst in seiner Privatwohnung im Schloss Nymphenburg aufnehmen. Die Schenkung seiner umfassenden Sammlung von Gegenwartskunst bildete den Grundstock für die Pinakothek der Moderne in München. Die Sammlerin Ingvild Goetz hat sich 1993 in München ein Privatmuseum von den Architekten Herzog & De Meuron bauen lassen. Ihre Sammeltätigkeit begann in den 1960er Jahren mit der Arte Povera. Für ihr Engagement im Bereich Kunst und Kultur wird ihr, wie wir heute erfahren haben, die Medaille „München leuchtet“ vergeben. Teile ihrer Sammlung

werden regelmäßig in den größten Museen gezeigt. Heinz Berggruen ist einer der bedeutendsten Kunstsammler. In 40 Jahren entstand seine Sammlung mit 170 Werken der klassischen Moderne, u. a. Picasso, Klee, Matisse. Von seiner Freundschaft mit Picasso weiß er viele Geschichten zu erzählen. Obwohl Heinz Berggruen während des Nationalsozialismus emigrieren musste, wählte er unter 100 Städten Berlin als Ort, um seine Sammlung zu präsentieren. In seiner Rede anlässlich des Ankaufs der Arbeiten durch die Bundesregierung sagt Gerhard Schröder: "Die Gabe Berggruens ist zugleich eine Geste der Vergebung. Seine Werke schließen eine Lücke, die durch den Nationalsozialismus in die moderne Kunst in Deutschland gerissen wurde." Der Film von Jaqueline Kaess-Farquet (BR3, 45 Min.) lässt die drei Sammler in ein Gespräch über ihre Passion und die Beweggründe treten. Der Beitrag vermittelt ein persönliches Porträt der Sammler in ihrer privaten Umgebung. Aufgrund des großen Interesses wurde die Ausstellung "Wir sind, was wir sammeln - Von Willi Baumeister bis Andy Warhol" verlängert bis Sonntag, 19. Februar 2017. Am letzten Sonntag wird es um 15.00 Uhr nochmals eine Führung durch die höchst sehenswerte Ausstellung geben. Diese Privatsammlung wird in absehbarer Zeit in diesem Umfang nicht mehr öffentlich ausgestellt werden. Ein Besuch der Überblicksschau der Kunst nach 1945 ist daher sehr lohnenswert.

 

Eintritt Kunstmatinee: 5 €. Sonntagsführungen: 2 € zzgl. Eintritt.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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Kommentare: 1
  • #1

    Vivien Stein (Donnerstag, 09 Februar 2017 12:14)

    Heinz Berggruen war ein in mehreren Ländern von Fahndern gesuchter Steuermeider. Er "wählte" Berlin, um seine Bestände unterzubringen, weil er es sich in Paris, New York, Genf und London schon verdorben hatte, während Madrid und San Francisco kein Interesse zeigten. Und weil sich die Deutschen am ehesten über den Tisch ziehen ließen. Alles andere ist ein post-faktischer PR-Mythos.