Wer bin ich?   Themenausstellung der Stadtbibliothek Neumarkt im November 2016

Wer bin ich? Und was wird aus mir, wenn die Diagnose „Demenz“ mein Leben auf den Kopf stellt? Wie werden die Angehörigen mit den zunehmenden Belastungen fertig? Was können, was müssen sie tun? Schicksalsschwere Fragen, die auf dem Thementisch November in der Stadtbibliothek offene Antworten finden.

Preisgekrönte Filme wie „Honig im Kopf“ und Bestseller wie „Der alte König in seinem Exil“ haben die Problematik eindrucksvoll in Szene gesetzt und die Tür vom Verdrängen zum Verstehen geöffnet. Sie dürfen nicht fehlen in der Medienausstellung, die jedoch ergänzt wird durch zahlreiche Neuer-scheinungen, die das Thema vertiefen oder aus neuen Blickwinkeln anpacken.

Als ein zutiefst ergreifendes Familiendrama ragt die DVD „Still Alice – mein Leben ohne gestern“ heraus. Die für ihre Rolle mit dem Oscar ausgezeichnete Julianne Moore spielt darin eine Professorin, die mit einer frühen Form von Alzheimer konfrontiert wird und tapfer aber machtlos gegen ihren Verfall ankämpft. Während ihr Mann es nicht erträgt, sie allmählich entschwinden zu sehen, entwickelt sie ein ganz neues Verhältnis zu ihrem bisherigen Sorgenkind, ihrer jüngsten Tochter.

 

Fesselnd, anrührend und dennoch humorvoll ist der Erlebnisbericht der TV-Moderatorin Bettina Tietjen unter dem Titel „Unter Tränen gelacht“. Sie hat ihren dementen Vater auf seinem letzten Weg in ein Demenz-Wohnheim begleitet und dabei nicht nur Ängste und Zweifel erfahren, sondern auch ihren Vater und sich selbst neu kennengelernt.

 

In „Ommas Glück“ berichtet die „Emma“-Journalistin Chantal Louis, wie ihre 83-jährige Großmutter nach einer Odyssee durch Kliniken und Seniorenheim in einer Demenz-WG landet. Von kompe-tenten Pflegern betreut, führt sie dort gemeinsam mit sechs ebenfalls dementen Mitbewohnern ein erstaunlich selbstbestimmtes Leben.

 

„Demenz und Alzheimer verstehen“ ist die grundlegend erweiterte Neuauflage eines Bestsellers von Huub Buijssen. Jeder dritte Erwachsene mit Eltern über 65 Jahren wird eines Tages mit der Betreuung eines demenzkranken Elternteils konfrontiert sein. Deshalb beschreibt der Autor nicht nur den fortlaufenden Krankheitsprozess, sondern erklärt darüber hinaus, wie wir am besten mit dem Schicksal des Erkrankten umgehen.

 

„Die magische Welt von Alzheimer“, ebenfalls aus der Feder des niederländischen Psycho-Gerontologen, enthält in komprimierter Form 25 Tipps zum Umgang mit Demenzkranken. Als Folge von Buijssens unmittelbaren Erfahrungen mit der Demenz seines Großvaters, seines Vaters und seiner Mutter überzeugen seine Aussagen durch besondere Intimität und Nähe.

 

Mit „Demenz und Recht“ gibt Thomas Klie pflegenden Angehörigen und Pflegepersonal wichtige Informationen zur rechtlichen Situation an die Hand. Der Ratgeber ist nach 34 Stichworten von B wie Behindertenkonvention bis W wie Wohngemeinschaft gegliedert. Wichtig ist dem Autor, demente Menschen nicht zu „Pflegefällen“ zu degradieren, sondern ihnen Würde, Teilhabe und Freiheitsrechte zu gewähren.

 

In „Betreuung in Frage und Antwort“ listet Matthias Winkler systematisch alle Punkte auf, die für eine Betreuungsverfügung wichtig sind. Einzelfragen wie die Zuordnung von Aufgaben, Haftung oder Kosten werden ausführlich erläutert, ebenso das Verhältnis von Angehörigen zum Betreuer oder das Anwenden von Rechtsmitteln.

 

Eine wahre Fundgrube ist „Das große Beschäftigungsbuch für Menschen mit Demenz“ von Linus Paul. Der besondere Vorteil: Die Spiel- und Beschäftigungsideen können ohne aufwändige Vorbereitung direkt umgesetzt werden, sei es zu Hause, in der Pflegeeinrichtung oder in offener Seniorenarbeit.

 

„So ein schöner Tag: Vorlesegeschichten für Menschen mit Demenz“ – das ist nur ein Titel aus einer ganzen Reihe erprobter Vorlese- und Mitmachgeschichten von Ulrike Strätling. Tatsächlich ist Vorlesen ein guter Weg, Demenzkranke zum Nachdenken, Lachen, Reden und Bewegen zu bringen. Deshalb liegen auch weitere Titel: „Omas Kuchen ist der beste“ oder „Als die Kaffeemühle streikte“ auf dem Thementisch bereit.

 

„Ein untadeliger Mann“ von Jane Gardam ist die erstaunliche Lebensgeschichte eines Ruheständlers, der sich nach dem Tod seiner Ehefrau in sein Auto setzt und den Leser mitnimmt auf einer Reise in die Vergangenheit. Stück für Stück entfaltet sich die fast einhundert Jahre umfassende Geschichte eines Liebespaares, des Älterwerdens und des untergehenden britischen Imperiums.

 

Wieder auf Reisen, diesmal aber mit einem Demenzkranken an Bord, geht es in dem Roman „Opa will zum Nordkap“ von Heike Denzau, in dem eine Jugendliche ihrem Großvater einen Lebenstraum erfüllt. Auf Achse in einem gestohlenen Tourbus ist eine Handvoll Senioren inklusive einer Demenzkranken in J. Paul Hendersons Roman „Letzter Bus nach Coffeeville“, ein zu Herzen gehendes Leseerlebnis von tieftraurig bis urkomisch.

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