Gedenken zur Reichspogromnacht am 9.11.2016

Auch in Neumarkt wird am 9. November der Novemberpogrome 1938 gedacht, die in ganz Deutschland das jüdisches Leben beinahe auslöschte. In einem Gottesdienst in der Hofkirche und durch ein Zeitzeugengespräch mit Schülern des Ostendorfer-Gymnasiums soll aber deutlich werden, dass es an diesem Gedenktag um die Erinnerung an die Vergangenheit, aber auch um die Gestaltung der Zukunft geht.

 

Katholisches und evangelisches Dekanat Neumarkt laden gemeinsam mit der Initiative Stolpersteine sowie dem katholischen und dem evangelischen Bildungswerk am Mittwoch, 9.11.2016, zu einem Abend der Erinnerung und des Dialogs ein. Beginn ist um 18:30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Neumarkter Hofkirche. „Es ist uns wichtig“, hebt Dekan Distler hervor, „dass wir nicht nur an ein bestimmtes Ereignis denken, sondern dass wir uns auch überlegen, wie wir in unserer Gesellschaft mit dem Anders-Sein umgehen.“ Ihm sei es daher wichtig, dass sich Jugendliche in den Gottesdienst und die Zeitzeugengespräche einbrächten. Schüler des Ostendorfer-Gymnasiums übernehmen daher die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. „An diesem Abend wollen wir beten, hören, lernen und das Wort ergreifen“, fasst es Dekanatsreferent Christian Schrödl zusammen, der für die katholisches Kirche in der Initiative Stolpersteine mitarbeitet.

 

Die Initiative besteht aus Vertretern der Stadt Neumarkt, des Ostendorfer-Gymnasiums, der Kirchen und kirchlichen Bildungswerke sowie aus dem Mühlhausener Ortsteil Sulzbürg. Die Gruppe organisierte heuer die erstmalige Verlegung von sogenannten „Stolpersteinen“, die in Neumarkt und Sulzbürg an das Schicksal jüdischer NS-Opfer erinnern sollen. Die vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig angefertigten Messintgtafeln werden vor den Häusern in den Boden eingelassen, in denen Juden vor ihrer Deportation zuletzt gelebt hatten. Der Initiative Stolpersteine ist es aber wichtig, nicht nur Gedenkarbeit zu leisten, sondern auch den Dialog in der Öffentlichkeit mitzugestalten. „Es geht um die Frage“, betont Religionslehrer Helmut Enzenberger vom Ostendorfer-Gymnasium, „wie wir heute mit unseren Ängsten vor der Verschiedenheit und vor dem Fremden umgehen.“

 

Seit Schuljahresbeginn beschäftigten sich nun Gymnasiasten der 11. Klasse zusammen mit ihrem Lehrer Alexander Schlaht in einem eigenen Projektseminar „Stolpersteine wider das Vergessen: Nie wieder!“ mit den Schicksalen von jüdischen Holocaust-Opfern aus Neumarkt und mit den Möglichkeiten, Spuren ihres Lebens und ihres Leidens zu rekonstruieren. Den Schülern ist es besonders wichtig, „auch jüngere Leute zu informieren“. Derzeit bereiten sie sich schon intensiv auf ein Zeitzeugengespräch mit Prof. Dr. Alexander Fried und dessen Ehefrau Dr. Dorothea Wojciechowski aus Prag/Tirschenreuth vor.

 

Fried wurde 1925 in der damaligen Ukraine geboren und überlebte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten und den Holocaust „durch mehrere Wunder“, wie er selbst sagt. Mit seinem Bruder konnte er zunächst, mit dem christlichen Namen „Zyprian“ getarnt, bei Christen im slowakischen Sillein untertauchen. Und auch nach 1945 hätten ihm in seinem bewegten Leben die Begegnung mit katholischen Ordensmännern wichtige Wegweisungen für sein Leben gegeben. Der Dialog zwischen den Religionen ist Fried auch heute noch ein wichtiges Anliegen. Auch seine Frau ist Zeitzeugin des Holocaust. Auch sie konnte die NS-Zeit im Verborgenen und von guten Menschen unterstützt überleben. Gerade mit den Schülern ins Gespräch zu kommen, ist beiden ein wichtiges Anliegen.

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