Anregungen für die Neumarkter Innenstadt

Die Generalsanierung der Neumarkter Innenstadt wurde vom Stadtrat auf 2018 verschoben. Damit die Zeit nicht untätig verstreicht, luden der Bayerische Handelsverband Kreis Neumarkt und „aktives Neumarkt“ e.V. Stadträte und Mitarbeiter der Stadtverwaltung am 24.6.2016 zu einer Exkursion ins niederbayerische Deggendorf ein, um in der dortigen Innenstadt Anregungen für Neumarkt zu sammeln.

 

 

Deggendorf besitzt mit knapp 32.000 Einwohnern eine relativ vergleichbare Größe, ist ebenfalls eine für das Umland beliebte Einkaufsstadt und von seiner städtischen Struktur mit geschlossenem Altstadtkern und einer breiten Marktstraße mit zentral platziertem Rathaus gut vergleichbar mit Neumarkt.

 

 

Acht Stadträte, vier Verwaltungsmitarbeiter, angeführt von Herrn Stadtbaumeister Matthias Seemann sowie Mitglieder des Handelsverbands und „aktives Neumarkt“ e.V. bildeten die ca. 25-köpfige Delegation. Gerade die innerstädtische Verkehrsführung, die Fußgängerzone, die Parkgaragen, das Marktwesen, gastronomische Freisitze, die öffentliche Möblierung, der Straßenbelag, die Bushäuschen und viele weitere Punkte galt es zu begutachten.

 

Zunächst wurden erste Eindrücke bei einer Stadtführung gesammelt, die nach dem Empfang im Rathaus durch den 3. Bürgermeister der Stadt, Herrn Hermann Wellner, bei einem Expertengespräch mit Stadtplaner Klaus Busch und Wirtschaftsförderer Andreas Höhn vertieft wurden. Die Vorsitzende des Deggendorfer Handelsverbandes Elisabeth Krauth erläuterte diverse Punkte aus Sicht des Handels. Dabei kamen doch teilweise sehr unterschiedliche Sichtweisen zum Vorschein, die in der Regel Kompromisslösungen etwa beim Thema Parken oder Fußgängerzone nach sich zogen.

 

So besitzt Deggendorf einen Oberen Stadtplatz, vergleichbar dem Unteren Markt, der als Fußgängerzone verkehrsberuhigt ist. Der Luitpoldplatz, vergleichbar dem Oberen Markt ist für den Verkehr geöffnet. Beide Plätze sind dabei mit großen Tiefgaragen unterkellert, was die Erreichbarkeit für Kunden und Besucher mit dem PKW nahezu optimiert. Die Garagen wurden 1994 und 2003 errichtet und bilden seitdem nach übereinstimmender Meinung der Akteure einen der Erfolgsfaktoren der Deggendorfer Innenstadt. Diese Investitionen waren aber nur möglich, weil der Freistaat Bayern damals sehr hohe Fördermittel für beide Tiefgaragen gab, die es heutzutage leider nicht mehr gibt. Dazu kam die Auflage des Freistaates, oberirdisch nur Parkplätze in geringer Anzahl zuzulassen.    

 

Mit den Eindrücken aus Stadtrundgang und Expertenmeinungen bekamen die Teilnehmer die Möglichkeit, einzelne Aspekte der Innenstadt zu bewerten.

Gerade die Erreichbarkeit der Innenstadt mit PKW und die Ausstattung mit zahlreichen Tiefgaragen erschienen den Teilnehmern sehr gelungen.Dagegen fiel der Straßenbelag in Deggendorf bei der Neumarkter Delegation vollkommen durch. Nicht barrierefrei, viel Kopfsteinpflaster und wenige Bereiche mit großflächigem Plattenbelag, den man sich in Neumarkt wünscht, wurden eher schlecht bewertet.

 

Anders als in Neumarkt werden die innerstädtischen Bäume deutlich kleiner gehalten, was den Fassaden zu Gute kommt und man sich auch durchaus für unsere Stadt vorstellen könnte. Auch dass in Deggendorf Felsenbirnen statt der Neumarkter Linden gepflanzt wurden, die weniger Absonderungen von sich geben, wurde positiv bewertet, ebenso aufgestellten einheitlichen Blumentröge. Mit Abstand am positivsten wurde das enorme Angebot an gastronomischen Freisitzen entlang der Marktstraße in Deggendorf bewertet. Dabei stellte sich heraus, dass im Vergleich zu Neumarkt nicht mehr Gastronomiebetriebe in der Innenstadt vorhanden sind, diese aber mit deutlich mehr Bestuhlung aufwarten können.

In der Diskussion wurde von Stadtplaner Herrn Busch dargelegt, dass die Deggendorfer Stadtverwaltung die Freischankflächen als tragenden, belebende Faktoren der Altstadt erkannt und sich für eine massive Förderung im Rahmen des Möglichen in Form von Freisitzgenehmigungen entschieden hätten. Die Freisitze tragen nach einhelliger Meinung massiv zur Belebung und der positiven Aufenthaltsqualität in Deggendorf bei, was man an der einen oder anderen Stelle eventuell auf Neumarkt adaptieren könnte.  

 

 Der Vorsitzende des Handelsverbands Neumarkt Josef Achatz und Citymanager Roland Kittel freuten sich über die Teilnehmerresonanz und die positiven Rückmeldungen der Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter. „Insgesamt konnten wir viele Anregungen mitnehmen, die vielleicht in die Neugestaltung der Neumarkter Innenstadt einfließen können. Vieles ist dagegen sicherlich auch nicht kopierbar, denn jede Stadt braucht natürlich seinen unverwechselbaren Widererkennungswert“, so Achatz und Kittel.

 

Im kommenden Jahr wird eine Deggendorfer Delegation die Pfalzgrafenstadt besuchen. Vielleicht sehen wir ja dann bald eine Lothar Fischer Skulptur in der Deggendorfer Innenstadt.

 

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