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Sonntag, 28. August 2011 17:49 Neumarkt

Der Erdwärme auf der Spur

NEUMARKT: Das Aufspüren von alternativen Energien und damit Wege aus der Abhängigkeit von den Stromkonzernen zu finden, war schon immer - nicht erst seit der Katastrophe von Fukushima - ein Anliegen der Neumarkter Freien Liste Zukunft (FLitZ).

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Diese hatte am Samstag zu einer Studienfahrt nach Kirchweidach bei Altötting eingeladen, an der sich 26 Interessenten von FLitZ und dem Verein "Energie für Neumarkt" beteiligten. In dem Ort in der Nachbarschaft des bekannten Wallfahrtziels wird nach Erdwärme gebohrt und mit deren Energie Strom erzeugt und Heizungen betrieben.

Die Frage, die sich den wissbegierigen Neumarkter Reiseteilnehmern stellte, war, ob sich mit einer solchen Technologie auch die Energieprobleme in der Heimat lösen lassen? Informationen dazu gab an den beiden Bohrstellen Diplom-Ingenieur Johannes Ruhland, einem Oberpfälzer, der bei der ausführenden Firma Geoenergie Bayern beschäftigt ist. Er nannte imposante und überzeugende Zahlen: „99 Prozent unserer Erde haben eine Temperatur von über 1000 Grad Celsius und von dem verbleibenden einen Prozent sind wiederum 95 Prozent heißer als 100 Grad.“


Für das heiße Wasser aus der Erde hätten die Neumarkter Besucher der Energiegewinnungsanlage in Kirchweidach keinen "Rettungsschirm" gebraucht, wohl aber fürs kühle Regenwasser vom Himmel.

Im Tiefenbereich von etwa 4.000 Metern - so tief sind die beiden Bohrlöcher in Kirchweidach - stößt man im süddeutschen Großraum auf Malm, einer Gesteinsart, wie man sie im Jura an der Oberfläche findet.  „Man kann sich das wie einen steinharten Schwamm vorstellen, dessen Poren aus Klüften, Brüchen und Karsthöhlen bestehen“, beschreibt Ruhland die Situation in der Tiefe. Das dort befindliche Mineralwasser hat eine Temperatur von 130 Grad Celsius. An der Oberfläche verbracht, wird diesem Heißwasser über Wärmetauscher die Wärme entzogen. In einer Zweitbohrung wird das abgekühlte Wasser wieder in den Malm zurückgeführt und in der Tiefe von der darunter liegenden heißen Granitschicht fortlaufend wieder aufgeheizt. Die erhaltene Wärme wird an der Oberfläche genutzt, um Strom zu erzeugen.

Bis zu 35.000 Haushalte können damit versorgt werden, wenn das Heizkraftwerk Ende 2012 in Betrieb gehen wird. Die Gesamtkosten werden bei 60 Millionen Euro liegen. Nutzbar wird auch die Wärme sein. Geplant ist ein Fernwärmenetz in Kirchweidach und die Beheizung von großflächigen Gewächshäusern. Sehr lange, nämlich „etwa 200 Jahre wird das Geothermie- System funktionieren, dann müssen unsere Nachkommen neu bohren“, prognostiziert Ruhland.
Die Vorzüge der Geothermie liegen auf der Hand: sie ist unbegrenzt vorhanden, steht immer zur Verfügung, reduziert werden damit die Treibhausgase, gefährliche Schadstoffe fallen nicht an und die Einrichtungen benötigen nur sehr wenig Platz. Die Nutzung der Geothermie verringert zudem die Abhängigkeit einer Region von Energielieferungen von außen.

Kein Wunder also, dass die Besuchergruppe, unter ihnen FlitZ-Stadtrat Johann Georg Glossner, sich begeistert zeigte. Von Interesse war die Frage, ob in Neumarkt ähnliche Formen der Energiegewinnung möglich wären.

„Die Situation ist da anders“, dämpfte Ruhland die Euphorie. Der Malm, sprich Jura, befindet sich vor Ort an der Oberfläche. Bei etwa 800 Meter beginnt das Urgestein und in der Tiefe fehlt der Heißwasser führende eingangs beschriebene „ steinharte, löchrige Schwamm“. Die Bohrungen in die Tiefe – je 100 m steigt die Temperatur um 3 bis 3,5 Grad Celsius, werden somit teurer werden. Und zwischen den beiden Bohrstellen muss durch „Fracking“, das heißt: Aufbrechen der harten Gesteinsschichten, etwa durch sehr hohe Drücke oder Sprengungen, eine Verbindung geschaffen werden. Wasser gibt es dort nicht. Es muss als Wärmeträger zugeführt werden. Ruhland erwartet die teils noch notwendigen technischen Neuerungen in fünf bis sieben Jahren. Voruntersuchungen könne und sollte Neumarkt jedoch jetzt schon machen, empfahl ein mitgereister Geologe, um dann, wenn Fördergelder für derartige Projekte gegeben werden, „bereit und dabei“ zu sein.

Fotos: Privat

Bild zur Nachricht:Der Erdwärme auf der Spur
Interessiert folgen die Neumarkter Exkursionsteilnehmer dem Fachvortrag von Dip.-Ing. Johannes Ruhland.

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