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Mittwoch, 30. Juli 2014 11:35 Neumarkt

Berching feiert Barockfestival zum Gluck-Geburtstag

LANDKREIS NEUMARKT: Am vergangenen Wochenende wurde zu Ehren des 300. Geburtstags des Komponisten Christoph Willibald Gluck ein großes Barockfest in Berching gefeiert. Uli Badura war vor Ort und berichtet über seine Eindrücke.

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Hart im Nehmen mussten sie schon sein, die feinen Damen aus der Barockzeit – denn für sommerliche Temperaturen wie am letzten Samstag gab es keine kurzgeschnittenen Versionen ihrer verschnörkelten Kleider. „Natürlich schwitzt man“ erzählt eine Besucherin, welche beim mehrtägigen Barockfestival zum 300sten Geburtstag von Christoph Willibald Gluck im historischen Kostüm durch Berching läuft, „aber man gewöhnt sich dran“. Das kunstvolle Madame Pompadour-Outfit hat sie selbst geschneidert, das Gesicht ist stilecht weiß geschminkt, die Lippen rot und sogar ein kleiner, koketter Leberfleck ziert das Antlitz. Mit solchen Damen hatte also der gefeierte Opernkomponist zu tun – wohl kaum in seiner Heimat Erasbach, die er als Dreijähriger mit der Familie verließ, sicher aber an den Höfen, an denen er später im Laufe seiner Klassikkarriere tätig war.

Unter den Besuchern der Jubiläumsfeierlichkeiten am letzten Wochenende gibt es nun zwei Arten: Die einen geben unumwunden zu, dass sie vom berühmtesten Sohn der Stadt Berching höchstens Geburtsort und -jahr kennen, die anderen können zehn ausgewählte Werke aus seiner Feder nicht nur nennen, sondern haben diese auch bereits live gehört. Letztere sind die erklärten Fans des Komponisten, und sie kommen zum Teil aus Landshut, Dresden und noch weiter entfernten Gegenden, um das bunte Programm anlässlich des 300sten Geburtstages zu erleben.

Berching klingt an diesem Wochenende an allen Ecken und Enden nach Gluck, einer der Höhepunkte ist dabei die Freiluftaufführung der Oper „Le Cinesi“, welche im Garten der St.-Lorenz-Kirche 650 Zuschauer und Ministerpräsident Horst Seehofer begeistert. Gerade mal rund 70 Minuten dauert dieser Einakter über drei vornehme Chinesinnen, welche aus Langeweile beginnen, Theater zu spielen. Gluck komponierte ihn im Auftrag des Prinzen Hildburghausen für einen Besuch von Kaiserin Maria Theresia.“Die Kassen waren damals knapp, und so sollte er etwas schreiben, was unterhaltsam aber nicht zu aufwändig war und auch von Laien dargeboten werden konnte“ so Organisatorin Ursula Lindl vom Freundeskreis C.W. Gluck. Der Komponist bewies speziell mit diesem Werk, dass in der Kürze die Würze liegt - einen solchen künstlerischen Ansatz hat sich insgeheim wohl schon mancher gewünscht, der z.B. Wagner´s „Ring der Nibelungen“ auf harten Bayreuther Holzsitzen durchstehen musste. Gluck´s Sommerserenade endet dagegen gerade rechtzeitig, dass die Zuschauer durch die Berchinger Innenstadt hinüber zum Kanal pilgern können, und sich das seit Jahren etablierte Pyrotechnik-Spektakel der Wasserwacht ansehen können. Und auch hier ertönen dieses Mal Melodien aus der Feder des Berchinger Opernschöpfers, während die Wasserstraße und der Himmel darüber kunstvoll in Flammen aufgehen. Spätestens bei diesen Klängen wird dem Durchschnitts-Hörer klar: Gluck war ein vorausdenkendes Genie – denn er schrieb Musik, für die man ihn 300 Jahre später zwar feiern würde, die aber gleichzeitig so „ungriffig“ ist, dass sie niemand zur Untermalung von Parfüm- oder Pralinenwerbung verwenden würde.

Text / Fotos: Ulrich Badura

Bild zur Nachricht:Berching feiert Barockfestival zum Gluck-Geburtstag
Stilecht feierten diese Damen den Geburtstag des berühmtesten Berchingers

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